Bücherwürmer

Der Bücherwurm
Ein possierliches aber scheues Haustier. Es zeigt sich meist nur Büchernarren aus der dritten Generation. Hat der Bücherwurm aber erst einmal Vertrauen gefasst, so entwickelt er seinem Herrchen gegenüber eine loyale Haltung. Er wird ihm immer und über all hin folgen.
Der Bücherwurm ist sehr genügsam. Einige wenige Buchseiten genügen ihm vollauf. Dabei ist er nicht wählerisch. Krimis, Liebesromane, Kurzgeschichten sogar Sachbücher werden gern eingenommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Literatur von internationalem Rang oder Trival-Literatur handelt. Die Vorliebe des Bücherwurms richtet sich nach der bevorzugten Literatur seines „Herrchens“. Die Seiten dürfen auch bereits gelesen sein. Es sollte also nicht schwer fallen, die Ernährung eines Bücherwurms sicher zu stellen. Zeitungspapier ist allerdings kein Ersatz. Denn es handelt sich ja um einen Bücherwurm und nicht um einen Zeitungswurm.
Ansonsten ist er zufrieden, wenn Mann (oder Frau) für regelmäßige Fellpflege sorgt. Besonders gern mag er es, wenn Sie mit der flachen Hand über seinen Rücken streichen. Wer genau hinhört, wird das leise schnurren des Bücherwurms hören können. Das kann als „Wohlfühl-Signal“ hingenommen werden. Hin und wider ein wenig abstauben kann auch nicht schaden. Allerdings ist der Bücherwurm wasserscheu. Ein Bad, und sei es noch so gut gemeint, ist der Tod eines jeden Bücherwurms.
Über das Sexualleben des Bücherwurms ist wenig bekannt. Mann hat es noch nicht beobachten können. Darum geht die Wissenschaft von einer vegetativen Vermehrung aus. Ähnlich wie die eines Stecklings von Blumen. Das mag auch der Grund sein, warum bisher nur männliche Bücherwürmer gesichtet wurden.
Der Bücherwurm hat kein Verständnis für Politik und andere Machenschaften. Er ist parteilos, obwohl er schon mal bei hochrangigen Persönlichkeiten gesichtet wurde. Offenbar orientiert er sich an der Person, bei welcher er sich heimisch fühlt, ohne Ansehen der politischen Richtung. Die Orientierung und Loyalität des Bücherwurms an sein Herrchen geht soweit, das er im Laufe der Zeit Eigenart, Gestalt und Besonderheiten (Marotten) seines Herrchens annimmt. Mit anderen Worten: beide werden sich immer ähnlicher.
Dennoch kann der Bücherwurm seine Abstammung nicht verleugnen. Auch wenn er wesentliche Züge seines Herrchens (oder Frauchens) annimmt, so schlägt doch seine angeborene Individualität immer wieder durch. Standesdünkel ist ihm aber fremd. Der adelige Bücherwurm (z.B. Baron von Hüpfenstich) tut sich mit dem Pariser Clochard oder der Londoner Suffragette nicht schwer. Der Kontakt wird in unregelmäßigen Abständen gepflegt. Bei solchen Zusammenkünften kann es auch schon mal vorkommen, das sich eine Leseratte dazugesellt. Aber auf diese Spezies werden wir an anderer Stelle noch detaillierter eingehen müssen. Nur soviel sei heute schon verraten: sie sind nicht miteinander verwandt obwohl sich beide vom gleichen „Beute.Schema“ ernähren.
Bücherwurm bei der "Arbeit"
Frisch geschlüpft!
Gevatter Tod
"Der Schrei" nach E. Munch
Räuber Hotzenplotz
Nur ein "Wurm"

Dies ist der Bücherwurm "Mylord"